Als Fan von kooperativen Spielen hat dieses Spiel mich neugierig gemacht. Die Zeichnungen und Story sind sehr liebevoll gestaltet worden, ebenso wie das Design der Spielmaterialien und die Beigaben wie eine Landkarte oder das Cover in Glanzfolie.
Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Menschen, welche in scheinbar unberührter Natur etwas Neues erschaffen wollen, treffen dabei auf Waldgeister, verbünden sich mit ihnen, erleben Abenteuer und bauen ihre Gemeinde auf.
Gespielt wird über Jahreszeiten hinweg, welche unterschiedliche Auswirkungen haben und innerhalb dieser Jahreszeiten über Runden (Wochen), in denen man mehrere Phasen durchgeht (Morgen, Mittag, Abend).
Wichtig zu wissen ist, dass man erstmal ein Regelbuch für den allgemeinen Spielablauf durchlesen muss und jeder Charakter ein eigenes Regelbuch für sich hat, da jeder Charakter sich komplett anders spielt. Entweder liest jeder Spieler sein Regelbuch selber, oder aber ein Spielleiter liest alle Regeln und erklärt jedem seine.
Anfangs können die Regeln ziemlich viel wirken, doch die Abläufe wiederholen sich immer wieder, sodass man schnell Routine entwickelt.
Dies ist ein Pluspunkt bei dem Spiel: Jeder Charakter spielt sich komplett unterschiedlich und da macht es Spaß alle Charaktere durchzuprobieren. Während man in den allgemeinen Schritten mit den anderen Spielern Aktionen im Dorf ausübt, hat jeder Charakter sein eigenes Minispiel. Plättchenlegespiel, Kartenplanung, Ressourcenmanagement usw.
Das kooperative Element besteht hauptsächlich darin, dass man gemeinsam eine Story erlebt, Entscheidungen trifft und sich bei der Benutzung der Aktionen im Dorf abspricht. Untereinander agieren ist jedoch nicht möglich, doch jeder kann seinen Teil für das Gemeinschaftsprojekt beisteuern.
Das Spiel kann zwischen jeder Jahreszeit gespeichert werden, indem alles in speziellen Boxen im "Ist-Zustand" eingefroren wird und bei Entnahme genau an der Stelle fortgeführt werden kann. Sowohl Abbau als auch Aufbau gehen sehr schnell.
So kann die Spielzeit einer Partie auch anhand der Auswahl der gespielten Jahreszeiten beliebig verlängert werden.
Zwischen jeder Jahreszeit kann man auch die Charaktere wechseln und den Speicherstand eines anderen Charakters übernehmen und fortsetzen und auch die Spieleranzahl ändern. Der Fortschritt des Hauptspiels ist dann für alle Spieler gleich, egal wann sie dazukommen.
Es gibt keinerlei Kampf und selbst Misserfolge bringen nur einen geringen Nachteil. Man merkt, dass die Entwickler wollen, dass es einem beim Spielen gut geht, weswegen man viele Belohnungsmomente erlebt.
Wenn man einen Charakter gut eingespielt und mehr als die Hälfte aufgelevelt hat, spielt er sich fast von alleine. Ihm gelingt dann quasi fast alles ohne große Anstrengungen, man erhält sein Einkommen und spielt nur dir Routineabläufe durch. Ab diesem Zeitpunkt ist es wirklich ein Cozy Spiel, bei dem man Abschalten kann und es nur noch darum geht die Story zu verfolgen und die Jahreszeitenziele zu erreichen. Wenn einem ein Charakter zu eintönig wird, kann man den Charakter ganz einfach wechseln.
Was den Stadtbau angeht, kann man einfach drauf loslegen und erstmal bauen, was möglich ist, ehe man nach ein paar Spieljahren sich an die Optimierung des Dorfes setzt. Da man aufgrund des Spielverlaufs für Ziele sowieso immer wieder Gebäude abreißen und andere neu bauen muss, ist das Dorf bis auf eigene Lieblingsgebäude immer im Wandel.
Sobald man die Story durchgespielt hat, besteht das Spiel nur noch aus Wiederholungen von Abläufen und eignet sich dann wirklich als reines Entspannungsspiel. Jedoch dauert es lange, bis man alle Abenteuer erlebt und die ganze Story durchgespielt hat. Außerdem gibt es Erweiterungen, welche mehr Spielinhalte bieten und neue Storys hinzufügen.
Wer also Lust auf ein gemeinschaftliches Spiel mit mittlerer Komplexität und schöner Story hat, dem kann ich Mythwind nur empfehlen :)